Frau Dr. Thea Altaras  
Nach dem Tod von Prof. Altaras sah sich seine Ehefrau, Frau Dr. Thea Altaras, in der Pflicht, die Geschicke der Jüdischen Gemeinde Gießen zu leiten und trat 2001 die Nachfolge ihres verstorbenen Mannes als Vorsitzende an. In den Jahren bis zu Ihrem Tod am 28.09.2004 ebnete sie den Weg zum Beitritt zum Landesverband, integrierte russische Immigranten in das Gemeindeleben, setzte sich für die Kinder- und Jugendarbeit ein und pflegte die über die Jahre gewachsenen Kontakte mit Menschen aus der Politik, anderen Religionen und Kulturen in und außerhalb von Gießen.

1924 wurde Frau Dr. Altaras in Zagreb in dem früheren Jugoslawien als Tochter deutsch-ungarischer Juden geboren. Nach dem Einmarsch der Deutschen 1941 wird sie bei einem Fluchtversuch gefasst und mit ihrer Mutter im Konzentrationslager auf der von Italienern besetzten Insel Rab interniert. Im September 1943 gelingt ihr die Flucht in befreites Gebiet. Nach ihrer Rückkehr nach Zagreb wurde sie Mitglied der Kommunistischen Partei, holte ihr Abitur nach und studierte von 1947 bis 1953 Architektur mit Abschluss eines dipl.ing.. In Zagreb und Paris, wo sie ihre Studien vervollständigte, arbeitete sie als Architektin.

1959 heiratete sie Jakob Altaras und 1960 wurde die Tochter Adriana geboren. 1964 musste ihr Mann aus dem damaligen Jugoslawien fliehen, sie blieb zurück. Ihr Pass wurde entzogen, trotzdem gelang ihr 1965 die Flucht nach Italien. Da sie dort keine Arbeit fand, kehrte sie nach Deutschland zurück und arbeitete als Planungsarchitektin am städtischen Hochbauamt in Konstanz. Über drei Jahre pendelte sie zwischen Italien, wo die Tochter wohnt, Zürich, wo der Mann am Kantonsspital arbeitet, und Konstanz hin und her.

1969 erhält Herr Prof. Altaras den Ruf an die Universität Gießen. So findet auch sie den Weg nach Hessen und eine Anstellung bei den Hochbauämtern Gießen/Marburg.

Nach dem aus gesundheitlichen Gründen vorzeitigen Ruhestand 1984 fand sie Zeit, Recherchen über Synagogen und Rituelle Tauchbäder in Hessen anzustellen. 1989 erhält sie für diese Arbeit die Ehrendoktorwürde der Universität Gießen, 1995 die Hedwig-Burgheim-Medaille der Stadt Gießen und 1999 aus den Händen von Bundespräsident Rau das Bundesverdienstkreuz.

1995 stellt sie das Jüdische Gemeindezentraum Gießen fertig. Herzstück ist die umgesetzte und wieder aufgebaute Fachwerksynagoge aus dem Landstädtchen Wohra.

Kurz vor ihrem Tod konnte sie ihre Arbeiten in einem Buch „Synagogen und jüdische Rituelle Tauchbäder in Hessen – was geschah nach 1945“ zusammenfassen. Am 28. September 2004 stirbt sie im Alter von 80 Jahren.